Frau blickt bei Sonnenuntergang über einen See – Sinnbild für die Balance zwischen Magie und echtem Leben.

Ich bin noch da. Nur anders.

Fast ein Jahr ist vergangen, seit ich hier zuletzt einen persönlichen Text geschrieben habe. Ein Jahr. Wenn ich das schreibe, kommt es mir gleichzeitig unglaublich lang und erschreckend kurz vor.

In den letzten Tagen habe ich angefangen, meine alten Beiträge wieder zu lesen. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen aufräumen. Schauen, was noch zu DreamOn passt, was bleiben darf und was vielleicht besser gehen sollte. Daraus wurde etwas ganz anderes. Ich sass vor meinem Bildschirm, habe gelächelt, den Kopf geschüttelt und bei manchen Stellen gedacht: Meine Güte, Séverine. Und dann gab es Texte, bei denen plötzlich die Tränen liefen. Nicht nur ein bisschen feuchte Augen. Ich habe geweint, weil ich mich wiedergefunden habe. Die Frau, die diese Worte geschrieben hatte. Ihren Schmerz, ihre Hoffnung, ihre Wut, ihre Liebe und diesen beinahe verzweifelten Wunsch, endlich zu verstehen, was da eigentlich mit ihr und ihrem Leben passiert.

Manche dieser Texte sind roh. Manche dramatisch. Einige gehen mir heute fast ein bisschen zu weit. Und trotzdem konnte ich sie nicht einfach löschen. Denn ich habe sie nicht erfunden.

Ich war diese Frau.

Es ist eigenartig, sich selbst ein Jahr später zu lesen. Bei manchen Sätzen dachte ich: Ja. Genau so. Bei anderen merkte ich, wie sehr ich mich verändert habe. Und bei einigen hätte ich am liebsten durch den Bildschirm nach meiner damaligen Version gegriffen und ihr gesagt: Du musst nicht alles verstehen. Wirklich nicht.

Ich habe deshalb einige Beiträge etwas angepasst. Ein paar habe ich ganz herausgenommen, weil sie sich heute nicht mehr richtig anfühlen oder nicht mehr hierhergehören. Nicht alles, was einmal öffentlich war, muss für immer öffentlich bleiben. Aber ich möchte meine Vergangenheit auch nicht schöner machen oder meine Geschichte umschreiben. Und schon gar nicht, weil mir diese Frau peinlich wäre. Im Gegenteil. Ich weiss heute, was sie getragen hat. Ich weiss, wie oft sie gefallen ist und trotzdem wieder aufgestanden ist. Aber ich habe heute andere Worte für manches. Und vielleicht auch einen anderen Blick.

Denn wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich irgendwann ziemlich weit abgedriftet. Ins Universum. In Zeichen, Seelen, Bestimmung, Spiegel, Energien und all die unsichtbaren Fäden, die scheinbar erklären konnten, warum manches geschah, warum ich so intensiv fühlte und warum bestimmte Dinge mich einfach nicht losliessen.

Und weisst du was? Ich habe es geliebt.

Dort oben ergab plötzlich so vieles Sinn. Dinge, für die ich im echten Leben keine Erklärung fand, schienen sich zu einem Bild zusammenzufügen. Ich konnte meinem Gefühl vertrauen, Zusammenhänge sehen, Zeichen erkennen und mich für eine Weile in einer Welt bewegen, in der nicht alles bewiesen werden musste, um Bedeutung zu haben. Und es ging mir gut dort. Vielleicht gerade deshalb, weil plötzlich so vieles eine Erklärung hatte.

Ich möchte diesen Teil von mir heute nicht kleinreden. Ich nehme Dinge manchmal sehr fein wahr. Ich fühle intensiv, sehe Zusammenhänge, wo andere vielleicht einfach weitergehen, und meine Intuition hat mich oft genug nicht getäuscht, als dass ich sie heute plötzlich belächeln würde.

Aber irgendwann musste ich mir eine unbequeme Frage stellen:

Was nützt mir die schönste Wahrheit im Universum, wenn sie in meinem wirklichen Leben nicht stattfindet?

Das war der Punkt, an dem ich mich zurückgeholt habe.

Nicht weil ich plötzlich nichts mehr glaube. Nicht weil all das für mich wertlos oder falsch geworden wäre. Sondern weil ich begriffen habe, dass ich mein Leben nicht nur in Möglichkeiten, Zeichen, Gefühlen und dem verbringen kann, was vielleicht irgendwo unter der Oberfläche existiert.

Ich lebe hier.

Jetzt.

Zwischen Universum und verdammt echtem Leben

Ich bin nicht die Frau, die heute alles Spirituelle belächelt und nur noch glaubt, was sie anfassen kann. Dafür liebe ich das Geheimnisvolle viel zu sehr. Ich glaube an Intuition. Ich glaube daran, dass manche Begegnungen etwas in uns auslösen, das wir nicht erklären können. Ich liebe Rituale, Kerzenlicht, Sterne, Symbole und diese besonderen Momente, in denen das Leben für einen Augenblick grösser wirkt als das, was wir sehen können.

Ich möchte mir diese Magie nicht nehmen lassen. Ich möchte mich nur nicht mehr darin verlieren.

Denn so schön es dort manchmal war: Mein Leben findet nicht irgendwann statt. Nicht in einer möglichen Zukunft, nicht hinter einem Zeichen und nicht in einer Geschichte, die vielleicht eines Tages Wirklichkeit wird. Es findet jetzt statt. Mit echten Menschen, echten Entscheidungen, echten Berührungen, echten Worten – und manchmal eben auch mit echtem Schweigen.

Ich darf fühlen, was ich fühle. Ich darf meiner Intuition vertrauen. Ich darf nachts in den Sternenhimmel schauen und mich fragen, ob es wirklich nur Zufälle gibt. Aber wenn etwas einen Platz in meinem Leben haben will, dann muss es irgendwann auch hier ankommen.

Nicht nur in meinem Herzen. Nicht nur in meinem Kopf.

In meinem Leben.

Und vielleicht ist genau das die Balance, nach der ich heute suche: mit den Füssen fest auf dem Boden zu stehen, ohne aufzuhören, in den Himmel zu schauen.

Genau das ist auch DreamOn

Vielleicht musste sich deshalb auch DreamOn verändern. Eine Zeit lang ist es mit mir sehr weit ins Spirituelle gerutscht. Alles hatte eine Intention, eine Energie, eine tiefere Bedeutung. Und manches davon gehört noch immer hierher. Ich liebe meine Ritualkerzen, Edelsteine, Mondphasen, Räuchern und all die kleinen Dinge, mit denen wir einem Moment bewusst Bedeutung geben können. Das werde ich nicht plötzlich aus DreamOn verbannen, nur damit der Shop möglichst massentauglich wird.

Denn die andere Richtung wäre genauso wenig ich.

Ich bin nicht die 08/15-Gschenkli-Tante.

Ich möchte nicht einfach hübsche Dinge verkaufen, die nett aussehen und nett verpackt werden. Dafür bedeutet mir DreamOn zu viel. Ein Geschenk darf etwas auslösen. Eine Kerze darf einen Moment verändern. Ein kleines Set darf sagen: Ich habe an dich gedacht. Etwas darf trösten, Mut machen, zum Lächeln bringen oder einen beschissenen Tag ein kleines bisschen schöner machen.

Aber dafür muss ich nicht mehr versprechen, dass eine Kerze das Leben verändert.

Vielleicht ist Magie manchmal viel unspektakulärer: eine Freundin, die genau im richtigen Moment schreibt. Ein Paket vor der Tür. Ein Duft, der eine Erinnerung zurückbringt. Eine Kerze am Abend, wenn endlich Ruhe ist. Kleine Dinge, die etwas in uns berühren.

Genau dort möchte ich mit DreamOn sein. Nicht nur im Universum. Aber ganz sicher auch nicht zwischen beliebigen Geschenkartikeln ohne Seele.

Irgendwo dazwischen.

Und genauso gehe ich mit meinen alten Texten um. Einige habe ich vorsichtig verändert, andere stärker. Ein paar habe ich deaktiviert. Aber ich werde meine Geschichte nicht glattbügeln, damit sie besser zu der Frau passt, die ich heute bin. Diese Texte erzählen auch, wie DreamOn und ich hierhergekommen sind. Manche haben mich beim Wiederlesen zum Lächeln gebracht, manche zum Weinen. Sie dürfen Spuren hinterlassen.

Und jetzt?

Mein Leben ist heute nicht plötzlich perfekt. Ich habe nicht alle Antworten gefunden, denke noch immer zu viel und fühle wahrscheinlich auch weiterhin zu viel. Der Unterschied ist: Ich warte nicht mehr darauf, dass mein Leben irgendwann beginnt. Ich lebe es.

Mit Menschen, die da sind. Mit Liebe, Arbeit, Verantwortung, Chaos, Plänen und all dem wunderbar Unmagischen dazwischen. Was zu mir will, darf seinen Weg zu mir finden. Ich muss nicht mehr ständig zurückschauen oder aus jedem Schweigen eine Antwort lesen.

Und vielleicht ist genau deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, wieder zu schreiben.

Nicht einfach in einem Blog, sondern in meinem DreamOn Journal. Ein Ort für DreamOn und für mich. Für Geschichten, Gedanken, Rituale, Geschenke, kleine Lichtblicke – und manchmal einfach für etwas, das raus muss.

Ich weiss nicht, wohin sich dieses Journal entwickeln wird. Das muss ich auch nicht.

Ich weiss nur, wo ich heute stehen möchte:

Mit beiden Füssen im Leben und noch immer mit dem Blick zu den Sternen.

Vielleicht ist genau das DreamOn.

Vielleicht bin genau das auch ich.

Magie, die berührt. Mitten im Leben.

Séverine 💫

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